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Viele tun sich oft noch schwer
Karel Hudec erforschte den Interneteinsatz im heimischen Mittelstand


Siegen. Das Internet und seine Risiken: Es erhöht die Markttransparenz und sorgt in bestimmten Branchen für zunehmenden Preisdruck und für mehr Wettbewerb. Das World-Wide-Web, kurz WWW, und seine Chancen: Es bietet besonders den kleinen und mittleren Unternehmen Potenzial zur Differenzierung und zur Kostensenkung.Ob die Mittelständler des Wirtschaftsraumes Siegen dies Potenzial auch erkannt und auch ausgeschöpft haben, damit hat sich Diplom-Medienwirt Karel Hudec in seiner Diplomarbeit beschäftigt.

Der Absolvent des Studienganges Medien-Planung, -Entwicklung und -Beratung an der Universität Siegen fand in Zusammenarbeit mit dem Siegener Mittelstandsinstitut (SMI) heraus: Die heimischen Unternehmen sind beinah flächendeckend und technisch für den Einsatz des Mediums Internet gerüstet und können oft schon Arbeitsabläufe vereinfachen und Prozesse beschleunigen. Sie tun sich aber mit den Anwendungen in den Bereichen Online-Kommunikation und -Marketing sowie E-Commerce und elektronische Beschaffung oft noch schwer. Zudem führt eine unzureichende Integration der IT-Systeme – gerade in kleineren Betrieben – dazu, dass potenzielle Einsparungseffekte »sich tendenziell wieder aufheben«, so Hudec.

116 Betriebe im Postleitzahlenbereich »570« beteiligten sich an Hudecs Erhebung. Unternehmen, die mehrheitlich bis zu neun Mitarbeiter beschäftigen, einen Jahresumsatz von bis zu 2 Mill. e erwirtschaften und seit mehr als 25 Jahren bestehen. Hierbei war das produzierende Gewerbe überdurchschnittlich repräsentiert. Die vom Siegener Universitätsprofessor und Wirtschaftswissenschaftler Dr. Joachim Eigler betreute Untersuchung ergab, dass diese Unternehmen fast alle im Geschäftsalltag den Computer nutzen und Zugang zum Internet besitzen. Rund jeder zweite Mitarbeiter hat einen PC am Arbeitsplatz.

Zu den Detailergebnissen u.a.: Fast alle diese Unternehmen nutzen die elektronische Post, besser: E-Mail, zur Kommunikation. E-Mails werden allerdings weniger innerhalb der Firma zum Austausch genutzt, sondern für die Kommunikation mit Kunden und Lieferanten. Außerdem kommunizieren die Beschäftigten immer noch lieber per Telefon, Fax, Brief oder über das persönliche Gespräch, als mit Hilfe von E-Mails.

Obwohl zwei Drittel der Befragten angegeben haben, mit dem WWW Online-Marketing zu betreiben, beschränkt sich dessen Einsatz nur auf wenige Anwendungen wie z.B. elektronische Veröffentlichungen (PDF) oder der Versand von Newslettern. »Die Chancen sind hier bei weitem noch nicht ausgeschöpft, vor allem bei der Generierung von Kundenmehrwert und dem Aufbau von Kundenbeziehungen«, urteilt Karel Hudec zu diesem Thema. Jedes zweite Unternehmen mit bis zu 0,5 Mill. e Jahresumsatz verzichte gar ganz auf das Online-Marketing.

Immerhin: Die Internet-Präsenz gehört mittlerweile zum Standard in den Unternehmen. Dennoch sei jeder sechste Betrieb noch nicht im WWW vertreten, stellte der Uni-Absolvent in seiner inhaltlich sehr breit angelegten Studie fest. Vor allem in Kleinstunternehmen und in den Branchen Handel, Gastgewerbe und Verkehr blieben etliche Chancen ungenutzt. Der Online-Verkauf wird nur von einer Minderheit (25 Prozent) bereits als zusätzlicher Vertriebskanal eingesetzt. Noch immer dominiert auf den Web-Angeboten der Unternehmen der Region die reine Warenpräsentation ohne die Möglichkeit zur Bestellung. Anders sieht das Bild bei der elektronischen Beschaffung, neudeutsch: E-Procurement, aus.

Drei Viertel aller Befragten gaben an, E-Procurement aktiv zu nutzen. Sie beschaffen im Schnitt bereits 15,7 Prozent ihres Bedarfes online – meist per Email oder über Portale sowie Online-Shops. Künftige Chancen sieht Nachwuchswissenschaftler Hudec hier vor allem in der Nutzung elektronischer Marktplätze sowie in der Integration der Beschaffung in die Geschäftsprozesse.

Quelle: Siegener Zeitung vom 10.12.2004

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